Es hat geregnet
Und? In China ist gerade ein Sack Reis umgefallen, würde der Ostfriese wohl entgegnen. Passiert doch beinahe täglich. Im Senegal hingegen ist Regen eine Rarität. Nach 7-8 Monaten weitesgehender Trockenheit und sengender Hitze hat sich vor kurzem eine Änderung angebahnt. Ich saß gemütlich in unserem kleinen Häuschen, als der Himmel sich plötzlich schwarz färbte und ein kräftiger Sturm den Sandkörnern das Fliegen lernte. Diese bedrohliche Szenerie erweckte in mir Weltuntergangsstimmung, die ich, zugegeben, schon in Deutschland bei mancherlei Unwetter hatte. Aber als Familie zusammen kuscheln war nicht angesagt. Stattdessen strömten die Kinder aus ihren Klassenräumen, um den Regen aufzusaugen und zu genießen. Ich musste mich nachher darum kümmern, dass sie wieder trocken zur Schule gingen, aber das war uns der Spaß wert.
Damit war die Regenzeit offiziell eingeläutet. Doch der Name trügt: Regenzeit heißt eigentlich nur, dass es alle paar Tage mal kräftig schüttet. Nach dem ersten Regen gab es in den nächsten Tagen trotzdem nichts als schönen Sonnenschein.
Bis zum Dienstagabend, als ich im Office-Gebäude mit meinen Eltern über meine Zukunft und die WM schwadronierte. Unser Gespräch wurde von meiner aufgeregt reinplatzenden Kollegin Ana rasch beendet: “Seb, schnell raus hier, wenn du noch trocken nach Hause kommen willst”. Draußen war wieder Orkanstärke 12 angesagt. Der Rückenwind hat mich wie Red Bull nach Hause getragen. Der zweite Regen war dann mit einem unbeschreiblichen Gewitter kombiniert, das ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Blitze, die Tageslicht mitten in der Nacht bringen, Donner, die das Haus vibrieren lassen und prasselnder Regen, der im Zusammenspiel mit dem Wellblechdach die entsprechende Geräuschkulisse bereitstellte…. Wir Mitarbeiter haben uns das Spektakel mit Popcorn und Heißgetränken auf der Veranda angeschaut.
Einen guten Nebeneffekt hat der Regen: Das braune Einerlei wird peu a peu grüner. Tiere aller Art kriechen wieder aus ihren Verstecken heraus. So zum Beispiel der rote Regenkäfer, den man nur einmal im Jahr nach den ersten Regenfällen zu Gesicht bekommt. Leider sind auch einige unangenehme Tierchen dabei, wie die Moskitos, die bei Dämmerung ein wildes Wettkampfstechen an meinen Beinen veranstalten.
Ein weiterer nicht ganz so guter Nebeneffekt ist die erhöhte Luftfeuchtigkeit, die einem schon bei einfachsten Spaziergängen schnell ins Schwitzen bringt.
Aber sei’s drum, mir gefällt das Wetter hier bestens: Jeden Tag kurze Hose und T-Shirt, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Die Niederschlagsmenge ist ungefähr gleich wie in Deutschland, wobei sie sich auf einen viel kleineren Zeitraum (Juni-September) konzentriert.
Durch diese Geschehnisse konnte ich auch einen kleinen Eindruck in die Bedeutung des Regens in der Bibel bekommen. Ein halbes Jahr ohne Regen ist schon eine lange Zeit. Umso dankbarer ist man da, wenn es dann doch mal “Regen zu seiner Zeit” gibt.
…so will ich euch Regen geben zu seiner Zeit, und das Land soll sein Gewächs geben und die Bäume auf dem Felde ihre Früchte bringen.
3. Mose 26:4
Juli 12th, 2010 at 13:14
Hallo Bassi,
so wie dir es gestern ging, sieht es jetzt bei uns aus. Es ist 14.15 Uhr und der Himmel ist pechschwarz, es fängt an zu gießen und bin gespannt, wann sich das volle Gewitter entlädt. Letzte Nacht hatten wir schon eins, viele Blitze, Donner und viel Regen. auch hier war es nötig. Wünsch dir noch eine schöne Zeit des Abschiednehmens und wir freuen uns auf dich.
LG
Thea
Juli 12th, 2010 at 13:58
Hi, Junge,
na, deine Schwester ist vielleicht ein Schißhase. Sie vertreibt sich die Angst bei diesem Unwetter, was gerade über uns fegt, mit Klaviespielen.
Okay, inzwischen ist es schon heller geworden. Sie hat alle Stecker rausgezogen und verbot mir weiterzubügeln – aber nun bin ich fertig.
Papa macht gerade deine Unibewerbungen versandfertig und ich freue mich, mal wieder was von euch im Busch zu hören. Klingt ja alles sehr beeindruckend. Wenn ich schon nie in Afrika sein konnte, dann jedenfalls ein bisschen davon mitkriegen!!
Wünsch dir was, bis hoffentlich bald bei Muttern !! Hurra Hurra, dann ist der Bassi endlich wieder da!!
Juli 17th, 2010 at 12:29
und ich hab einen ostfriesischen tornado gesehen! direkt an der nordsee! ich war in bensersiel als wie aus dem nichts der himmel eine schwarze, fette wolkenmauer aufbaute, in der sich kreisel bildeten die auf den boden wollten. der campingplatz dort flog im nu auseinander.
das wetter macht mir langsam angst. erst monatelang schnee, und nun hitze wie in afrika mit ständigen gewittern.
aber überzeug ich dich selbst! in 5 tagen! guten heimflug wollte ich dir wünschen! werde am am do auch kommen um dich gebührend in die arme zu schließen.
knutsch
August 3rd, 2010 at 08:31
Hallo Basti, gibts von dir eine lebendmeldung, das Du wieder gut in Deutschland angekommen bist,
Freuen uns von dir kurz zu hören
Carsten
August 3rd, 2010 at 11:55
Hallo Carsten!
vielen Dank der Nachfrage, ich bin wohlbehalten wieder in Deutschland angekommen. Lief alles reibungslos. Hatte auch schon gleich am ersten Abend eine Welcome-Back-Party zu Hause.
Das Wiedereinleben war nicht ganz so einfach, aber mittlerweile geht es schon ganz gut
Ich hoffe wir können uns bald mal wiedersehen!
LG Bassi