Zweite Sommerferien
Eigentlich hatte ich mir in den Ferien vorgenommen, ein wenig mehr zu schreiben, aber es ist eher das Gegenteil eingetreten, wie ihr unschwer erkennen konntet. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich weniger private freie Zeit hatte als gedacht. Zum Anderen spielt natürlich auch ein wenig urlauberische Gelassenheit mit rein, aber lasst mich in der folgenden Urlaubszusammenfassung beweisen, dass es mehr am ersten Punkt liegt
.
Am 9. Dezember klingelte zum letzten Mal die Schulglocke, und alle Eltern kamen zu einem fröhlichen “Daniel-Musical”. Dort haben die Juniors mit viel Enthusiasmus den Mut, die Intrigen und die Wunder in Daniels Leben aufgeführt bzw. besungen.

Danach war noch ein wenig Shake-Hands mit den Missionaren, Abschiednehmen mit den Kindern und ein Mitarbeiteressen (Location: traumhaft, siehe Bilder) angesagt, dann konnten die Ferien beginnen.
Nun, nicht wirklich. Denn zunächst musste der Dorm gründlich geputzt werden. Vorhänge, Vorhangsstangen, Waschbeckabflüsse, Möbel, Ventilatoren usw. usf.
Als wir damit fertig waren, konnten wir mit unserer besonderen Ferienprojekt beginnen. Wir hatten lange diskutiert, ob wir weg fahren wollen, in fremde ferne Länder und sagenumworbende Städte. Aber weil wir uns hier so wohl fühlen, sind wir (6-Dormhelfer+2 Single-Lehrer) zur Verwunderung der Anderen einfach auf dem Schulgelände geblieben. Damit uns dabei aber nicht so langweilig wird, sind wir zusammen für eine Woche in einen der Dorms gezogen und haben dort zusammen gegessen, gespielt und gelebt. So konnten wir die Möglichkeiten des Schulkomplexes mal voll ausnutzen und z.B. Stockbrot am Lagerfeuer essen, mit allen möglichen Zutaten kochen (puh, es gibt einfachere Dinge im Leben, sag ich euch
), Volleyball in der Halle spielen oder einen Film auf dem Projektor schauen. Und natürlich konnten wir die Schule als Basis für Ausflüge benutzen. So haben wir die Bäume eines Kletterparks unsicher gemacht, sind der Sonne am Strand entgegengeritten und haben Autos beim Schnellfahren zugeschaut (die Fahrer haben wir überwiegend als weiß identifiziert
). Am Sonntag haben wir die gemeinsame Woche dann mit einem kleinen Gottesdienst beendet (naja fast, Montag haben wir auch noch was gemacht
).
Dann stand auch schon Weihnachten auf dem Kalender. Echte Weihnachsstimmung wollte mir bei sengender Hitze zwar nicht aufkommen, aber wir haben uns jedoch in den letzten Wochen beste Mühe gegeben, ein wenig weihnachtliche Atmosphäre aufkommen zu lassen: Zwei schöne Adventsgottesdienste, nicht ganz so schöne Behelfs-Dekoration in unserem Mitarbeiterhaus, ein Plastikschneemann auf grünem Gras, ein deutscher “Stollen-Abend”, ein Weihnachts- und ein Racletteessen und alte Weihnachtslieder am Lagerfeuer haben für Besinnung gesorgt. Es war echt schön, mal ohne Kommerz, schnulziger Kaufhausmusik und nicht enden-wollendem Lichterkitsch Weihnachten zu feiern. Geschenke gab’s dann aber trotzdem: ein schweres Paket hat den weiten Weg aus Deutschland gerade noch pünktlich am 24ten gepackt (s.u.).
Die Senegalesen nehmen Weihnachten als willkommenden Anlass für eine weitere Feier, den Hintergrund kennt aber kaum einer. Deswegen haben wir um Weihnachten herum verstärkt auf die Geburt Jesu aufmerksam gemacht. Als wir am 25ten ins Dorf gegangen sind, sind uns die Kinder schon von weitem mit offenen Händen entgegengerannt. Geld gab’s allerdings nicht, dafür leckere Kekse. Die haben sie auch mit großen Augen aufgegessen. Es ist echt süß, wie die Kinder einem sofort an die Hand nehmen und wie leicht sie zu begeistern sind. Bei der Weihnachtsgeschichte von Réne haben sie (hoffentlich) aufmerksam zugehört und beim Spielen haben sie sich halb totgelacht. Die Älteren halten leider nach wie vor eine gewisse Distanz, wobei wir auch von ihnen freundlich begrüßt werden. Bitte betet weiterhin für offene, suchende Herzen.
Am 31. Dezember konnte nach Bettgeschiebe und mühseligen Vorbereitungsstunden schließlich die Feldkonferenz beginnen. Da ich dieses Jahr weder Richtung Schoppen, Bingum, Dillenburg noch Pewsum aufbrechen kann, war diese Woche ein besonderes Highlight für mich. Missionare aus ganz Senegal sind gekommen, um Erfahrungen auszutauschen, Entscheidungen zu treffen und Vorträge zu hören. Es war sehr spannend, was die so alles zu erzählen hatten. Ein Amerikaner namens Bruce ist nur knapp dem Tod entkommen, weil die Munition der Waffe an seinem Kopf leer war.
Dann habe ich noch einen Ex-Missionar aus Hamburg getroffen, der “zufällig” genau die Familie kennt, wo ich im August noch gelebt hatte. Ein anderer Mission aus einer Gegend mit spärlich-gesäten Gläubigen (ich glaube 2 Leute gehen zu seiner Kirche) fand eines Tages einen Mann auf der Straße – mit einem großen Buch in der Hand – es war die Bibel. (Leider) ein seltenes Bild im Senegal. Voller Freude konnte der Missionar dann die Philipus-Frage “Verstehst du auch, was du da liest?” stellen. Für mich als Neuling war es interessant zu hören, wie sich die Mission in den letzten Jahren entwickelt hat wie wo und warum Menschen zum Glauben kommen – und warum nicht. Die Missionare versuchen für die verschiedenen Gebiete (Dakar, Dörfer, Muslime, Nicht-Muslime usw.) auch verschiedene Ansätze.
Die Vorträge und Seminare waren eher auf missionarische Herausforderungen zugeschnitten, aber mit den Tugenden und Lehren konnte auch ich etwas anfangen
Beim Kinderprogramm durfte ich mich ausnahmsweise mal mit den größeren Jugendlichen arbeiten. Wir haben an 2 Nachmittagen das Thema “Geistliche Gaben” behandelt und an den anderen 2 sind wir im Naturreservat gewandert und nochmals geklettert. Auch wenn die Vorbereitungen etwas zäh waren (“Sollen wir das auch noch mit reinnehmen? Wie soll man das denn verständlich vermitteln?”), so waren die eigentlichen Stunden umso gesegneter. Nach einer etwas zu lang geratenen PowerPoint von mir haben wir noch Rollenspiele gemacht (Eine Gabe mit Liebe und eine ohne ausfüllen, vgl 1. Kor 13), einer Predigt gelauscht, eine Art Fragebogen ausfüllen lassen, uns gegenseitig Ermutigungen geschrieben und noch einige Sachen mehr. Zudem haben wir auch noch ein bewegendes Zeugnis von einem Jungen aus der Konferenz gehört, wie er den Wiedereinstieg von einer behüteten Missionarskinderschule ins raue Deutschland miterlebt hat. ´
Verzeiht mir den langen Text, aber bei eurem Schneechaos habt ihr ja im kuscheligen Zuhause bestimmt eine Menge Zeit zum Lesen

Januar 12th, 2010 at 10:46
Nun soll nach Sturmtief Daisy Hoch Bob kommen – es soll noch kälter werden. Dein Bericht und die Bilder erwärmen einem das Herz.
Für die nun beginnende Schulepoche wünsche ich Dir weiterhin eine tolle Zeit, gute Einfälle und die besten Wünsche.
LG
Papa
Januar 13th, 2010 at 10:21
Hallo, Bassi,
das mit dem Klettern lass mal lieber, das sieht sehr gefährlich aus, da wird mir ja schon beim Hingucken schlecht!
Ansonsten einen guten Start und alles Liebe und Gute für den neuen Term.
Trudel
Januar 19th, 2010 at 12:13
Hi Bassi,
wenige Kommentare- wenig Interesse? Vielleicht, vielleicht auch nicht!
Auf jeden Fall gibt es Leser, die sich sehr auf Deine Infos freuen – mach einfach munter weiter. –
So ist das Leben: “Aus den Augen, aus dem Sinn” – aber, und daran halte fest: Jetzt lernst Du Deine “wahren” Freunde kennen.
Viele Grüße
Deine Bekannte
Januar 19th, 2010 at 12:38
Nee, nee…
nicht aus den Augen, aus dem Sinn. Ich guck ständig ob neue Infos von Dir drin sind, es macht mir echt mächtig Spaß deinen Blog zu lesen. Ich hatte nur noch keine Zeit dir zu schreiben. Ich weiss das Achim auch immer guckt und liest. Also von uns ganz liebe Grüße, mach weiter so… wir denken an dich.
Ganz liebe Grüße
Tascha
Januar 19th, 2010 at 14:59
schönen wordpressblog hat der lüling da ^^
ich wünsch dir gute sommerreifen und sonnenschutzcreme
Januar 20th, 2010 at 21:29
und ich und mein umfeld freuen uns auch immer über deinen tollen erzählungen;)!!! viel erfolg für die nächsten wochen lieblingsbruder!
hab dich sehr lieb, mach weiter so!
ps:AUS DEN AUGEN, ABER GANZ TIEF IM HERZEN UND GANZ OFT IN GEDANKEN!
Januar 30th, 2010 at 22:11
Hy Bassi !! Ich finde es nachwievor super von Dein berichte zu lesen und die Bilder anzusehen. Ich freue mich für Dich das es Dir dort gut geht.Ein tolles umfeld hast. Mach weiter so !!!!
))
Februar 1st, 2010 at 16:30
Vielen Dank Helmut! Das tut immer wieder gut, was von den alten Haudegen aus Ostfriesland zu hören
@Markus: Danke schön, wordpress ist gar nicht so schwer